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FAUST:

“Das kann mich nicht zufriedenstellen. Man freut sich, daß das Volk sich mehrt, Nach seiner Art behaglich nährt, Sogar sich bildet, sich belehrt- Und man erzieht sich nur Rebellen. ”

MEPHISTOPHELES:

“Dann baut' ich, grandios, mir selbst bewußt, Am lustigen Ort ein Schloß zur Lust. Wald, Hügel, Flächen, Wiesen, Feld Zum Garten prächtig umbestellt. Vor grünen Wänden Sammetmatten, Schnurwege, kunstgerechte Schatten, Kaskadensturz, durch Fels zu Fels gepaart, Und Wasserstrahlen aller Art; Ehrwürdig steigt es dort, doch an den Seiten Da zischt's und pißt's in tausend Kleinigkeiten. Dann aber ließ ich allerschönsten Frauen Vertraut-bequeme Häuslein bauen; Verbrächte da grenzenlose Zeit In allerliebst-geselliger Einsamkeit. Ich sage Fraun; denn ein für allemal Denk' ich die Schönen im Plural. ”

FAUST:

“Schlecht und modern! Sardanapal! ”

MEPHISTOPHELES:

“Errät man wohl, wornach du strebtest? Es war gewiß erhaben kühn. Der du dem Mond um so viel näher schwebtest, Dich zog wohl deine Sucht dahin? ”

FAUST:

“Mit nichten! dieser Erdenkreis Gewährt noch Raum zu großen Taten. Erstaunenswürdiges soll geraten, Ich fühle Kraft zu kühnem Fleiß. ”

MEPHISTOPHELES:

“Und also willst du Ruhm verdienen? Man merkt's, du kommst von Heroinen. ”

FAUST:

“Herrschaft gewinn' ich, Eigentum! Die Tat ist alles, nichts der Ruhm.”

MEPHISTOPHELES:

“Doch werden sich Poeten finden, Der Nachwelt deinen Glanz zu künden, Durch Torheit Torheit zu entzünden. ”

FAUST:

“Von allem ist dir nichts gewährt. Was weißt du, was der Mensch begehrt? Dein widrig Wesen, bitter, scharf, Was weiß es, was der Mensch bedarf? ”

MEPHISTOPHELES:

“Geschehe denn nach deinem Willen! Vertraue mir den Umfang deiner Grillen.”

FAUST:

“Mein Auge war aufs hohe Meer gezogen; Es schwoll empor, sich in sich selbst zu türmen, Dann ließ es nach und schüttete die Wogen, Des flachen Ufers Breite zu bestürmen. Und das verdroß mich; wie der übermut Den freien Geist, der alle Rechte schätzt, Durch leidenschaftlich aufgeregtes Blut Ins Mißbehagen des Gefühls versetzt. Ich hielt's für Zufall, schärfte meinen Blick: Die Woge stand und rollte dann zurück, Entfernte sich vom stolz erreichten Ziel; Die Stunde kommt, sie wiederholt das Spiel. ”

MEPHISTOPHELES:

“Da ist für mich nichts Neues zu erfahren, Das kenn' ich schon seit hunderttausend Jahren. ”

FAUST:

“Sie schleicht heran, an abertausend Enden, Unfruchtbar selbst, Unfruchtbarkeit zu spenden; Nun schwillt's und wächst und rollt und überzieht Der wüsten Strecke widerlich Gebiet. Da herrschet Well' auf Welle kraftbegeistet, Zieht sich zurück, und es ist nichts geleistet, Was zur Verzweiflung mich beängstigen könnte! Zwecklose Kraft unbändiger Elemente! Da wagt mein Geist, sich selbst zu überfliegen; Hier möcht' ich kämpfen, dies möcht' ich besiegen. Und es ist möglich!--Flutend wie sie sei, An jedem Hügel schmiegt sie sich vorbei; Sie mag sich noch so übermütig regen, Geringe Höhe ragt ihr stolz entgegen, Geringe Tiefe zieht sie mächtig an. Da faßt' ich schnell im Geiste Plan auf Plan: Erlange dir das köstliche Genießen, Das herrische Meer vom Ufer auszuschließen, Der feuchten Breite Grenzen zu verengen Und, weit hinein, sie in sich selbst zu drängen. Von Schritt zu Schritt wußt' ich mir's zu erörtern; Das ist mein Wunsch, den wage zu befördern! ”

MEPHISTOPHELES:

“Wie leicht ist das! Hörst du die Trommeln fern? ”

FAUST:

“Schon wieder Krieg! der Kluge hört's nicht gern. ”

MEPHISTOPHELES:

“Krieg oder Frieden. Klug ist das Bemühen, Zu seinem Vorteil etwas auszuziehen. Man paßt, man merkt auf jedes günstige Nu. Gelegenheit ist da, nun, Fauste, greife zu! ”

FAUST:

“Mit solchem Rätselkram verschone mich! Und kurz und gut, was soll's? Erkläre dich.”